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Von Pinken Blinkern, Marvel und co. - Mein erstes Jahr als Synchronsprecher


Mit Jahren ist es so eine Sache. Rückblickend lassen sie sich meistens in zwei Kategorien einteilen. Diejenigen, die Eindruck hinterlassen und diejenigen, an die man fünf Jahre später mit einem “Was hab ich da eigentlich gemacht?” zurückdenkt. Was beileibe nichts Schlechtes sein muss. Manchmal ist es auch ganz schön, wenn das Leben einfach unaufgeregt seine Wege gehen kann, schließlich bedeutet es in der Regel Ruhe und Stabilität. Mein Jahr 2023 war hingegen eines der Ersteren Kategorie. Was auch nichts Schlechtes sein muss. In meinem Fall, war 2023 ein Jahr, das wahnsinnig viele Höhen und Tiefen zu bieten hatte, weswegen ich es wohl immer mit gemischten Gefühlen in Erinnerung behalten werde. Angststörungen sind ein wenig wie Frodo. Oft klein und unscheinbar, stellenweise sogar unsichtbar, jedoch mit überraschend gewaltigem Impact wenn es drauf ankommt. Wenn dazu noch im privaten Umfeld einige Dinge dazu kommen, kann das schon eine Menge Mauern in dein Leben bauen, die es zu überwinden gilt. Aber es ist auch nicht so, als hätte 2023 nichts zu bieten gehabt, an dem man sich ein wenig (mental) hochziehen kann. Wunderschöne Reisen, wahnsinnig liebe Menschen, welche ich seit diesem Jahr zu meinen Freunden zählen darf und nicht zuletzt (damit wären wir beim eigentlichen Thema) viele kleine und größere Highlights die ich in meinem ersten “richtigen” Jahr als Synchronsprecher erleben durfte.

2022 endete damit, dass ich meinen Umzug nach Berlin plante, um als Quereinsteiger Synchronsprecher zu werden, mit nichts weiter als einer Handvoll Demos, zwei kleinen Rollen als Referenz und meiner Stimme im Gepäck. 

Anfang 2023 sah ich mich nun also der Herausforderung gegenüber, irgendwie in dieser neuen Stadt beruflich Fuß zu fassen. Über die Art und Weise, wie man als Sprecher vor allem in Berlin seine Akquise zu gestalten hat, könnte man wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben. Wo muss ich mich melden, bei wem muss ich mich melden, wie muss ich mich melden, in welchen Abständen muss ich mich melden usw. Ich würde nicht behaupten, dass ich inzwischen eine umfassende Antwort auf diese Frage hätte. Eher eine ungefähre. Trotzdem hat es dafür gereicht, dass ich in meinem ersten (halben) Monat direkt ein Teil von fünf Projekten sein durfte. “NieR Automata”, “TriGun Stampede”, “Familiar of Zero”, “Bakugan: Legends” und “Du wirst mich in Erinnerung behalten”, ein kanadischer Film in dem ich eine kleine Rolle hatte, der im Dezember 2023 sogar vereinzelt im Kino ausgestrahlt wurde. 

Für mich persönlich ein Einstand nach Maß, mit dem ich so nie gerechnet hatte. Immerhin hatte ich in dem kompletten zweiten Halbjahr 2022, in dem ich mich aus dem fernen Kiel heraus um Termine bemüht hatte, gerade mal einen sechs Buchungen sammeln können. Zudem bekam ich bei den Terminen auch ein gutes Feedback ausgestellt - viel besser hätte es nicht laufen können. Der Februar kann kommen - dachte ich. 

Denn wie sich herausstellte, war meine Bewerbungsstrategie nicht wirklich auf die Umstände der Branche angepasst. Zudem hatte ich nur einen Bruchteil der Kontaktdaten, die ich benötigte, um überhaupt die nötige Anzahl an Akquise leisten zu können. 

So kam es, dass mein Terminkalender im Februar, März und April leider relativ leer blieb. Trotzdem hatte ich nicht “nichts” zu tun. Während dieser Zeit nahm ich im Heimstudio den dritten Teil der “Stille”-Trilogie von Sandy Brandt als Hörbuch auf, bei der ich wieder gemerkt habe, wie sehr ich die Aufnahme für Hörbücher liebe. All die verschiedenen Facetten zu bedienen, verschiedene Stimmungen zu erzeugen, einfach eine Geschichte zum Leben zu erwecken, ist etwas, dem ich mich 2024 auf jeden Fall wieder mehr widmen möchte. Und auch im Voice Over Bereich durfte ich die ersten Gehversuche wagen. So war ich als Kristian Øvervold in zwei Folgen der DMAX-Serie “Fang des Lebens: Abenteuer in Norwegen” zu hören. 

Was der Frühling an Buchungen vermissen ließ, brachte der Sommer. So viele tolle Projekte in denen ich mich verewigen durfte, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen kann. Allein die Menge an Anime, bei denen ich dabei sein durfte, wie Mashle, Hell’s Paradise oder Vinland Saga, sind mir als riesen Animefan ein Traum, der mir vor zwei Jahren noch unerreichbar schien. Doch auch der Traum von der eigenen Disney-Figur wurde erfüllt. In dem wunderbaren Cartoon “Haileys Mission”, durfte ich viele kleine Rollen wie dem Ansager aus Folge 1, “Jungo” oder dem “Pinken Blinker” meine Stimme leihen. Den Fernseher anzumachen, wie früher auf den Disney Channel zu wechseln und meine Stimme dort zu hören, ist etwas, das mir immer noch ein Grinsen aufs Gesicht zaubert. Wie gerne würde ich in der Zeit zurückreisen und das meinem 8-jährigen Ich zeigen. Wobei, machen wir uns nichts vor: mein 28-jähriges Ich würde sich wahrscheinlich genauso freuen! 

Aber auch an der Realfilm-Front gab es einige Highlights. Da wäre die Rolle des Pun’Kin in der Romanverfilmung “Will Trent” auf Disney Plus, oder die des Elliot in dem Frasier-Reboot auf Paramount+. 

Mein ganz persönliches Realfilm-Highlight war jedoch die Buchung für den Hollywood-Blockbuster “The Marvels”. 2023 war witzigerweise auch das Jahr in dem ich, mit reichlich Verspätung, als Fan zum Marvel Cinematic Universe gefunden habe, und als die Buchung von Aufnahmeleiter Chris Gruber kam, konnte mir für mehrere Stunden nichts das Grinsen aus dem Gesicht fegen, auch wenn ich unglaublich nervös war, als ich auf dem Weg zu diesem Termin war. Und auch wenn ich vor allem Kampfgeräusche beigesteuert habe, im November im Kinosessel zu sitzen und zu sehen wie “Ich” Brie Larsson aka. Captain Marvel anschreie und mit Samuel L. Jackson (Nick Fury) kämpfe, war definitiv eines meiner Jahreshighlights. Witzigerweise durfte ich auch in dem Cartoon “Solar Opposites” eine Parodie-Version von Michael B. Jordan verkörpern, der mir vor allem als Killmonger aus dem Marvel-Film “Black Panther” bekannt ist. So schließen sich die Kreise. 

Ein weiteres Highlight war für mich, dass mich meine liebe (und wahnsinnig talentierte) Kollegin und gute Freundin Julia Bautz eingeladen hat, bei ihrem Regie-Debüt “Masamune-kun’s Revenge” zu hospitieren. Eine wahnsinnig tolle Erfahrung, nicht nur weil ich extrem viel von erfahrenen Kolleg*innen wie Oliver Szerkus, Olivia Büschken oder eben Julia lernen konnte, sondern auch weil das TNT-Team allgemein aus sehr netten und sympathischen Menschen besteht, mit denen man gerne Zeit verbringt. Außerdem durfte ich bei Masamune als Cafébesitzer in Folge 2.06 den wohl schönsten Trauerschrei meines Lebens beisteuern! :D  

Über das Jahresende gibt es allgemein eher weniger zu erzählen. Zum einen, weil dort die eingangs erwähnten privaten Probleme ihren Höhepunkt hatten, zum anderen aber auch, weil ich über fast alles noch nicht reden darf was dort passiert ist! Schließlich sind die Projekte beinahe alle noch nicht erschienen und unterliegen somit der Synchronsprecher-Schweigepflicht. Allerdings freue ich mich schon wahnsinnig darauf euch in einigen Wochen davon erzählen zu können. Überhaupt ist es irgendwie surreal, dass mein Name jetzt einen, wenn auch kleinen, roten Faden zu Menschen wie Hayao Miyazaki, Samuel L. Jackson oder S***g besitzt, die allesamt meine Kindheit in irgendeiner Form geprägt haben. 

Überhaupt, bereits an über 60 Produktionen als Synchronsprecher mitgewirkt zu haben, und damit ein Teil von Dutzenden Geschichten zu sein, die irgendwo auf der Welt Menschen bewegen, ist ein wahrgewordener Traum, der noch vor zwei Jahren unerreichbar schien. Und es ist ein Traum, der 2024 weitergehen wird. Es wird wahrscheinlich auch dieses Jahr wieder Mauern geben, die sich irgendwo auftürmen werden. Und der nervige Frodo wird sicherlich auch seine Rolle spielen wollen. Doch ich werde mein Bestes geben, dass der kleine Hobbit bestenfalls eine Nebenrolle bekommt. Schließlich, und darauf lege ich wert, ist das immernoch meine Geschichte!

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